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Scala & Kolacny Brothers: Presse

 

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30.12.2005 Neue Westfälische

Altbewährtes in neuer Form

 

Von Nina Wüllner

 

„Scala & Kolacny Brothers“ modellierten Rock-Songs im Ringlokschuppen

Bielefeld. Gute Musik ist gute Musik, egal, ob sie aus der Feder eines Bachs, Lennon, Schubert oder Grönemeyer stammt. Den Versuch, eine Brücke zwischen klassischer und aktueller Rock- und Popmusik zu schlagen, unternahmen die belgischen Brüder Steven und Stijn Kolacny. Wie es klingt, wenn 22 weibliche Teens- und Tweens Songs von „Rammstein“. „Depeche Mode“ und Alanis Morissette singen, hörte man beim „Scala & Kolacny Brothers“ Konzert im Bielefelder Ringlokschuppen.

  
Die Idee, Pop- und Rocksongs neu zu arrangieren, hatte die beiden klassisch ausgebildeten Pianisten im Jahr 1996. Steven und Stijn Kolacny fingen an, Songs wie „I think I’m paranoid“ von „Garbage“, der in Bielefeld der Opnener war, in eine Partitur umzuschreiben. Flugs gründeten sie einen Mädchenchor, sangen und spielten ihre Depüt-CD „Christmas time is here“ ein und gewannen diverse Preise. In Deutschland schaffte „Scala & Kolacny Brothers“ den Durchbruch mit dem „Die Ärzte“ –Coversong „Schrei nach Liebe“. Nicht alle Tage hört man einen Mädchenchor engelsgleich „Arschloch“ mit belgischen Akzent flöten.
   Im Ringlokschuppen standen 22 junge Frauen des insgesamt 60-köpfigen Chores auf der Bühne und wurden von Steven Kolacny am Klavier begleitet. Zwischen den Songs redeten und scherzten die belgischen Brüder mit dem Publikum und entschuldigten sich immer wieder für ihr schlechtes Deutsch, das eigentlich recht gut war.
   Im Hause Kolacny ist man sich einig, dass das deutsche Publikum „die Hammer“ ist. Stijn, der glatzköpfige Dirigent, gab bei jedem Song alles, er gestikulierte mehr, als es ein gewöhnlicher Chorleiter machen würde. Intensiv durchlebte er sowohl „Hungriges Herz“ von „MIA“, „Last Christmas“ von „Wham“, wie auch „Creep“ von „Radiohead“. In 90 Minuten gab es auch ein Spiritual und ein dänisches Volkslied zu hören. Bei beinahe allen Songs gelang es Steven und Stijn, das Arrangement und die Dramatik des Originals zu übertragen. Nur bei Rio Reisers „Junimond“ passte die Transkription nicht ganz, die „Scala“- Version klang mehr nach einem Schlaflied als nach einem tieftraurigen Liebeslied.
  

   Es war wirklich schön, lieb gewonnene Songs wie „Smells like Teen Spirit“ oder „You oughta know“ einmal ganz anders, aber herrlich dramatisch, zu hören. Man darf gespannt sein, ob „Scala & Kolacny Brothers“ noch mehr deutsche Songs ummodeln werden. Eins ist sicher: Sollten sie „Tokio Hotel“ „Durch den Monsun“ covern (ein heißer Anwärter), würden die Damen die hohen Töne spielend treffen, die der stimmbruchgeplagte Sänger Bill nie wieder durch die Kehle bringt.

Text: Nina Wüllner • Neue Westfälische vom 30. Dezember 2005

 

 

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