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„Scala & Kolacny Brothers“
modellierten Rock-Songs im Ringlokschuppen
Bielefeld. Gute Musik ist gute Musik, egal, ob sie aus der
Feder eines Bachs, Lennon, Schubert oder Grönemeyer stammt.
Den Versuch, eine Brücke zwischen klassischer und aktueller
Rock- und Popmusik zu schlagen, unternahmen die belgischen
Brüder Steven und Stijn Kolacny. Wie es klingt, wenn 22
weibliche Teens- und Tweens Songs von „Rammstein“. „Depeche
Mode“ und Alanis Morissette singen, hörte man beim „Scala &
Kolacny Brothers“ Konzert im Bielefelder Ringlokschuppen.
Die Idee, Pop- und Rocksongs neu zu arrangieren, hatte die
beiden klassisch ausgebildeten Pianisten im Jahr 1996.
Steven und Stijn Kolacny fingen an, Songs wie „I think I’m
paranoid“ von „Garbage“, der in Bielefeld der Opnener war,
in eine Partitur umzuschreiben. Flugs gründeten sie einen
Mädchenchor, sangen und spielten ihre Depüt-CD „Christmas
time is here“ ein und gewannen diverse Preise. In
Deutschland schaffte „Scala & Kolacny Brothers“ den
Durchbruch mit dem „Die Ärzte“ –Coversong „Schrei nach
Liebe“. Nicht alle Tage hört man einen Mädchenchor
engelsgleich „Arschloch“ mit belgischen Akzent flöten.
Im Ringlokschuppen standen 22 junge Frauen des insgesamt
60-köpfigen Chores auf der Bühne und wurden von Steven
Kolacny am Klavier begleitet. Zwischen den Songs redeten und
scherzten die belgischen Brüder mit dem Publikum und
entschuldigten sich immer wieder für ihr schlechtes Deutsch,
das eigentlich recht gut war.
Im Hause Kolacny ist man sich einig, dass das deutsche Publikum
„die Hammer“ ist. Stijn, der glatzköpfige Dirigent, gab bei
jedem Song alles, er gestikulierte mehr, als es ein
gewöhnlicher Chorleiter machen würde. Intensiv durchlebte er
sowohl „Hungriges Herz“ von „MIA“, „Last Christmas“ von „Wham“,
wie auch „Creep“ von „Radiohead“. In 90 Minuten gab es auch
ein Spiritual und ein dänisches Volkslied zu hören. Bei
beinahe allen Songs gelang es Steven und Stijn, das
Arrangement und die Dramatik des Originals zu übertragen.
Nur bei Rio Reisers „Junimond“ passte die Transkription
nicht ganz, die „Scala“- Version klang mehr nach einem
Schlaflied als nach einem tieftraurigen Liebeslied.
Es war wirklich
schön, lieb gewonnene Songs wie „Smells like Teen Spirit“
oder „You oughta know“ einmal ganz anders, aber herrlich
dramatisch, zu hören. Man darf gespannt sein, ob „Scala &
Kolacny Brothers“ noch mehr deutsche Songs ummodeln werden.
Eins ist sicher: Sollten sie „Tokio Hotel“ „Durch den
Monsun“ covern (ein heißer Anwärter), würden die Damen die
hohen Töne spielend treffen, die der stimmbruchgeplagte
Sänger Bill nie wieder durch die Kehle bringt.
Text: Nina Wüllner • Neue Westfälische vom 30. Dezember 2005
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