|
|
Belgischer Mädchenchor Scala
begeistert im Ringlokschuppen
(Bielefeld (WB). War das ein
Erlebnis: Hits aus der Pop- und Rockgeschichte, geträllert
aus 22 Mädchenkehlen. Was zunächst wenig spannend klingt,
machte der belgische Mädchenchor Scala mit den Brüdern
Kolacny im Ringlokschuppen zu einem Konzert, das die
Zuschauer nicht auf den Sitzen hielt.
Seit 2002 experimentiert der Mädchenchor, der bei
internationalen Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet wurde,
mit Klassikern der Pop- und Rockgeschichte. Nur vom Klavier
begleitet konzentrieren sich die belgischen Sängerinnen auf
die Melodie der Stücke. Schlagzeuge, Gitarre, Bas: nicht
mehr vorhanden. Reduziert auf das Wesentliche erklingen die
Lieder in ganz neuem Gewand, werden geadelt. Und aufgewertet
durch die Engelsstimmen. Schade nur, dass die Chorgründer
und –leiter Steven und stijn Kolacny mit ihren Arrangement
sehr dicht am Original bleiben und selbst wenig
interpretieren. Die Chance wäre vorhanden und wüprde noch
mehr Abwechslung bieten. Aber auch so funktioniert das
Konzept blendend. Und bei richtigen Rocknummern wie „Smells
like Teen Spirit“ von Nirvana bekommt das Stück allein durch
den Gesang einen ganz anderen Charakter.
Insgesamt
blieben die Lieder etwas monoton, stets nach ähnlichem
Strickmuster. Wenn die Kolacnys und ihre Sängerinnen das
vorhandene Potenzial, das bei Kylie Minogues „Can’t get you
out of my head“ aufblitzte, weil die glasklaren Stimmen
einmal nicht nur parallel, sondern versetzt sangen, noch
mehr nutzen würden, wären die Konzerte noch
abwechslungsreicher.
Der Abend lebte aber nicht nur von den wunderbaren Stimmen der 22
ganz in schwarz gekleideten Sängerinnen. Es waren auch die
charmanten Zwischenmoderationen der beiden Chorleiter.
Überhaupt: Der Dirigent von stijn Kolacny war eine
Augenweide. Mit ganz eigenem Stil – und nahezu jeder
Körperfaser – lebte der Dirigent seinen Sängerinnen die
Noten vor. Ihm zuzusehen war allein eine Freude. Noch
schöner indes war es den Stimmen zu lauschen.
Vor allem die Lieder der neuen, ausschließlich mit deutschen Werken
aufgenommene CD „Grenzenlos“ kamen gut an. Sportfreunde
Stiller, Mia, Selig, und Wir sind Helden, Rio Reiser – auch
als Chorgesang ein Hörvergnügen.
In den Zugaben steckte außerdem viel Freude. Nur ungern ließen die
begeisterten Bielefelder Zuschauer die Mädchen und ihre
sympathischen Chorleiter nach 90 Minuten musikalischer
Oberklasse von der Bühne.
Text: Thomas Bertz • Westfalen-Blatt Nr.303 vom 30. Dezember
2005
|