|
|
Scala aus Belgien covert Ärzte bis
Kraftwerk - und stürmt die Charts
Deutsche Radiosender genießen
nicht gerade den Ruf, ein mutiges Programm zu senden. Statt
innovativer Konzepte nur Einheitsbrei und Mainstream-Hits.
Der belgische Jugendchor Scala wäre daran beinahe
gescheitert. Denn die Idee, Songs von Lou Reed, U2, Nine
Inch Nails oder Nirvana vielköpfig und stimmgewaltig zu
Klavierbegleitung zu singen, rief nur bei wenigen
Programmmachern Begeisterung hervor. Einzig "Radio Fritz"
(Berlin) und "Eins Live" (NRW) spielten die
Ärzte-Coverversion "Schrei nach Liebe". Daraufhin brachten
begeisterte Hörer die Sender-Hotlines zum Glühen - und
traten eine Welle los.
150000 CDs haben die von Steven & Stijn Kolacny betreuten
Sänger aus Aarschot alleine in Deutschland verkauft, ihr
Album "Dream On" stürmte die Charts. Mit "Grenzenlos" steht
nun das vierte Scala-Werk in den Läden. Darauf fügen die im
Schnitt 19-Jährigen zusammen, was nicht zusammengehört.
Rammstein, Kraftwerk, Die Toten Hosen, Rio Reiser, Wir sind
Helden oder Blumfeld stehen in einer ungewohnten Eintracht
nebeneinander. Sportfreunde Stiller haben die Scala-Version
von "Ein Kompliment" als Intro auf Festivals gespielt, Mieze
von Mia hat nicht nur im Clip zu "Hungriges Herz"
mitgemacht, sie tritt auch als Gastsängerin bei Scala auf.
Ungewohnte Eintracht auch im Publikum: Bei den Konzerten
stehen Siebenjährige neben 70-Jährigen, Punk-Fans neben
Pop-Liebhabern. Eben irgendwie grenzenlos.
Text: Sven Niechziol • MOPO vom
27. Dezember
2005, Seite 22 |