contact

sitemap

imprint

 

         
homeshoplyrics newskonzertemusikbilderpressebiographiebuchunginteraktiv
   

 

Archiv

 > ...das war 2005

 > ...das war 2004

 
 

Scala & Kolacny Brothers: Presse

 

<<< vorheriger Artikel           - 2005 -           nächster Artikel >>>

12.11.2005 www.teleschau.de

Scala und das neue Gesicht der Chormusik

 

Mit freundlicher Genehmigung von _teleschau - der mediendienst

  (tsch) Anfangs war es nur ein Hobby für die beiden Konzertpianisten und Rockfans Steven und Stijn Kolacny. In ihrer Heimat, einer flämischen Kleinstadt, gründeten die Brüder einen Mädchenchor und begannen, neben klassischer Musik eben auch große Popsongs zu interpretieren. Dass sich mit den beatfreien Chorversionen von Radiohead- oder Nirvana-Hits ein ziemlich beachtlicher Erfolg erzielen lässt, hätte wohl kein Musikexperte geahnt. Besonders in Deutschland verkauften sich die belgischen Engelszungen wie geschnitten Brot. Das deutsche Albumdebüt "Dream On" ging 2004 etwa 100.000 Mal über die Ladentheke. Vor diesem Hintergrund ist es gar nicht so absonderlich, dass die Kolacny Brüder nun mit dem rein deutschsprachigen Album "Grenzenlos" aufwarten.

 

 

teleschau: Sie haben ein Album mit deutschen Popsongs aufgenommen. Was haben Sie dabei über die Deutschen und ihre Musik erfahren?
 
Steven Kolacny: Zunächst einmal, dass Deutsch eine ziemlich schwere Sprache ist. Eine Sprache, die flämisch sprechenden Chorsängerinnen schwer fällt. Außerdem lernten wir, dass es in Deutschland eine große Rockszene mit vielen tollen Bands gibt, die man in Belgien gar nicht kennt - weil sie eben auf auf Deutsch singen.

 

 

© P.I.A.S.

 

Energie, die aus tausend Mädchenherzen kommt:

der wunderbare Pop von Scala.

 

 

teleschau: Wie haben Sie sich über die deutsche Szene informiert? Wie hat die Auswahl der Songs getroffen?

Steven Kolacny: Wir baten deutsche Freunde um Listen mit Liedern. Für uns wäre das ansonsten sehr schwer gewesen. In unserer Plattensammlung finden wir nur "99 Luftballons". Außerdem kennen wir Rammstein und Kraftwerk - aber von Kraftwerk auch wieder nur die englischen Versionen. Wir benötigten da wirklich Hilfe, und wir bekamen viele E-Mails mit langen Vorschlagslisten. Es gibt mehr deutsche Bands als belgische Städte, glaube ich. Wir entdeckten dabei sehr viel neue Musik, und auf einigen Listen gab es immer wieder dieselben Songs. "Hungriges Herz" zum Beispiel von Mia - das war auf beinahe jeder Liste vertreten. Es war also klar, dass wir diesen Song machen würden. Anfangs hatten wir 30 Lieder, die reduzierten wir auf 20, wir probten, reduzierten noch einmal auf 15. Und nun sind zwölf Lieder übrig geblieben.

teleschau: Was hat Sie an der deutschen Popmusik am meisten überrascht?

Steven Kolacny: Zunächst einmal fand ich es schwer, einen Überblick über diese ganzen deutschen Bands zu erhalten. Es gibt ja nicht eine deutsche Szene, es gibt sehr viele verschiedene Stile. HipHop zum Beispiel ist sehr populär in Deutschland, aber es gibt nicht nur eine HipHop-Szene, das ist wirklich komplex. Dann gibt es Bands, die haben eine unglaubliche Geschichte wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen. Das sind Bands, die in großen Stadien spielen. Sie verkaufen unglaublich viele Platten und Konzerttickets, da merkt man - deutsche Popmusik hat eine lange Tradition in diesem Land. Dann gibt es Lieder wie Grönemeyers "Mensch". Was haben wir da? Fast schon eine zweite Nationalhymne! Jeder kennt das. Hat er nicht sechs Millionen CDs verkauft? Wie ist das möglich?

teleschau: Anfangs suchten Sie die deutschen Lieder aus, die Ihnen am besten gefielen. Auf dem Album sind nun aber die Songs gelandet, die - so sagen Sie es - am besten mit einem Chor funktionieren. Erklären Sie den Unterschied.

Stijn Kolacny: Ich kann die Mädchen nicht die Songs singen lassen, die sie besonders gut finden - wenn diese Lieder im Chor nicht wirklich gut klingen. Die Qualität der Chorversion ist das Entscheidende. Ich sage nicht, dass unsere Versionen immer gut sind, aber das ist zumindest das Ziel unserer Arbeit.

teleschau: Welche Art Lieder funktionieren am besten mit Ihrem Mädchenchor?

Stijn Kolacny: Das Lied muss eine schöne Melodie haben, ein HipHop-Stück würde da beispielsweise eher nicht gehen. Steven muss das Stück auf dem Klavier begleiten können, denn ansonsten haben wir keine Instrumente zur Verfügung. Die Mädchen müssen die Texte kennen. Sie müssen verstehen, was sie da singen. Wenn man die Worte nicht versteht, die man da singt, führt das zu keinem guten Ergebnis. Also: Text, Melodie und die Spielbarkeit des Liedes auf dem Klavier - das sind die Voraussetzungen.

teleschau: Steven, Sie arrangieren die Stücke. Welche Tricks wenden Sie an, damit die Popsongs im Chor gut funktionieren?

Steven Kolacny: Am meisten inspirieren mich akustische Versionen von den Original-Interpreten. Wenn man die Kompositionen nur in Begleitung von Gitarre oder Klavier hört, befreit von dem ganzen Bandballast, hört man da bereits sehr interessante Versionen. Du musst die Essenz, die Bedeutung des Songs verstehen und das dann auf die Scala-Mädchen übertragen. Scala besitzt einen eigenen Sound. Den kann man benutzen, um eine neue Version des Liedes herzustellen. Die sentimentalen, emotionalen Momente in den Songs, kann man mit dem Chor erhöhen und stärker ausbreiten. Oder man kann sich Details aus einem Song herausgreifen, einzelne Worte oder Textzeilen. Manchmal höre ich ganz weit hinten auf dem Original ein paar Backing Vocals, die ich mit den Chorstimmen ganz weit nach vorne hole. Das Summen am Beginn des Liedes "Du trägst keine Liebe in dir" von Echt zum Beispiel. Der Sound muss klar sein, die Version muss eine klare Botschaft übermitteln. Man darf nicht den Eindruck haben: Ach, die spielen da jetzt eine billige Coverversion.

teleschau: Sie sagen, Scala hat einen ganzen eigenen Klang. Können Sie diesen Klang beschreiben?

Steven Kolacny: Wenn man sie im Chor aufbauen kann wie bei den Rammstein-Liedern "Engel" und "Mutter", dann klingt das wie eine Sinfonie aus Stimmen. Eine Klanglandschaft aus Stimmen. Das ist etwas Besonderes, das man vorher so nicht gehört hat. Nach solchen Momenten suche ich. Leider klappt das nicht immer.

teleschau: Wie bewirbt man sich bei Scala?

Steven Kolacny: Es reicht, wenn uns die Mädchen eine E-Mail schicken. Dann lädt sie Stijn ein und sagt ihnen, dass sie keinen Freund haben dürfen und es geht los (lacht). Nein, im Ernst: Eine E-Mail ist absolut ausreichend. Wir haben noch andere Chöre mit wirklich jungen Mädchen. Teenager und Kinder. Stijn arbeitet mit ihnen. Er erzieht sie zum Scala-Dasein, sodass sie ein paar Jahre später im richtigen Scala Chor einsteigen können.

teleschau: Sie führen allerdings doch einen Eignungstest durch?

Steven Kolacny: Die Mädchen sollten ein bisschen Erfahrung mitbringen. Sie müssen Noten lesen können und eine schöne Stimme haben. In einem anderen Chor sollten sie ebenfalls schon mal gesungen haben, sonst schaffen sie es nicht, dem Tempo der Proben zu folgen. Außerdem muss der Charakter stimmen. Man muss ein Teamplayer sein, um bei Scala mitmachen zu können. Außerdem müssen die Mädchen erst mal den Mut haben, sich zu bewerben. Da gibt es gar nicht so viele.

teleschau: Wie viel Prozent der Bewerberinnen kommen durch?

Steven Kolacny: Etwa 50 Prozent. Das Schlimmste ist, wenn du ein Mädchen wieder nach Hause schicken musst.

teleschau: Wie läuft das mit dem "Nachwuchskader"?

Stijn Kolacny: Wir haben zwei Trainingsgruppen. Eine mit Mädchen zwischen fünf und acht Jahren. Und eine andere mit Mädchen zwischen neun und zwölf. Das Ziel ist, dass man mit etwa 13 Jahren bereit ist, im Konzertchor mitzusingen. Trotzdem ist es besonders schwer, mit diesen Mädchen zu arbeiten. Wenn sie 13, 14, 15 Jahre alt sind, dann ist das ein schwieriges Alter. Die Mädchen müssen einerseits noch ziemlich viel lernen, anderseits haben sie keinen Bock dazu. Man muss manchmal etwas lauter werden, damit ein Crescendo auch ein Crescendo wird. Mit 16, 17 Jahren haben die Mädchen, die schon länger mit uns arbeiten, eine gute Singstimme.

teleschau: Wie ist die Alterstruktur im "A-Team"?

Stijn Kolacny: Die Jüngste ist 13, die Älteste 28. Aber normalerweise ist mit etwa 25 Jahren Schluss. Die Mädchen heiraten, bekommen Kinder, dann ist es wirklich vorbei. Ich sage niemanden, dass er aufhören soll. Aber sie merken es selbst, wenn es nicht mehr geht.

teleschau: Was macht den Erfolg von Scala aus? Warum sind die Menschen von diesem Chor fasziniert?

Stijn Kolacny: Scala ist ein sehr emotionaler Chor. Außerdem ist die Idee, dass ein klassischer Mädchenchor Rockrepertoire singt, ziemlich einmalig. Dennoch ist Erfolg natürlich immer etwas Relatives, er kann schnell vergehen. Vielleicht interessiert sich nächstes Jahr niemand mehr für Scala. Für mich ist es nicht normal, dass wir derzeit so gefragt sind. Und so sollten wir das alle sehen.

Text: © teleschau - der mediendienst - Eric Leimann

<<< vorheriger Artikel           - 2005 -           nächster Artikel >>>