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100.000 Stück ihres Debütalbums
"Dream On" setzten Scala & Kolacny Brothers alleine in
Deutschland ab. Das ist an sich schon sehr ordentlich, im
Falle dieser CD war es ein mittleres Wunder. Denn die kam
von einem Indie-Label, wurde mit nur wenig Promotion
veröffentlicht und, vor allem, war musikalisch weit weg von
dem, was man so Mainstream nennt. Ein belgischer Mädchenchor
covert Popsongs wie "Creep" oder "Under The Bridge",
begleitet nur vom Klavier und dezenten Streichern.
Eigentlich eine Liebhabersache, musikalisch übrigens
durchaus traditionsbehaftet, |
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Jahre mit glockenhellen
Kinderstimmen Bowie und die Beach Boys intonierte. Jetzt
also der zweite Streich von Scala. Nur deutsche Songs - das
klingt, Verzeihung, etwas zu kalkuliert. Aber wer will's
ihnen übel nehmen. Die wissen, wo ihre Zielgruppe sitzt und
machen das Beste daraus.
Steven und Stijn Kolacny
sichteten. Sie hörten sich quer durch die deutsche Popmusik
der letzten Jahrzehnte, entdeckten, probierten, zweifelten,
verwarfen. Ein Dutzend Songs waren es, die schließlich übrig
blieben.
Was dabei auffällt: Die gehen schon auf Nummer sicher. Kaum
ein Lied, das nicht ein Hit war. Am unbekanntesten dürfte
noch "Tausend Tränen Tief" von Blumfeld sein. Ansonsten: Die
jungen Damen singen das "Denkmal" von Wir sind Helden,
versuchen sich an Rammsteins "Mutter" ebenso wie an Herbert
Grönemeyers "Mensch". Sie machen "Ein Kompliment"
(Sportfreunde Stiller), zähmen "Hier Kommt Alex" von den
Toten Hosen und singen am Schluss mit "Das Modell" und
"Junimond" Pop-Klassiker von Kraftwerk und Rio Reiser.
Es liegt in der Natur der Sache und sicher auch an
persönlichen Hörgewohnheiten, dass das nicht immer
funktioniert. "Die Perfekte Welle" von Juli ist schon im
Original ein grässlicher Song, dessen Reißbrett-Dynamik den
Chor schlichtweg überfordert. Auch die Umsetzung von "Ein
Kompliment" klappt nur bedingt, was aber eher am Lied als an
Scala liegt.
Zwei Ausfälle also. Das ist eigentlich ein guter Schnitt,
zumal der Rest von "Grenzenlos" teilweise begeistert:
"Hungriges Herz", im Mia-Original etwas zu gekünstelt, wird
von Scala sozusagen freigelegt. Das fast vergessene "Du
trägst keine Liebe in dir" von Echt findet ja quasi
innerhalb seiner Zielgruppe statt, wenn es von drei Dutzend
Teenagern intoniert wird. Glaubwürdigkeitsmäßig also ein
dicker Pluspunkt. "Das Modell" kommt fast als Boogie -
schön, dass sich Steven Kolacny am Klavier hier mal
wenigstens kurz vom sinfonischen Schönklang entfernt. Und am
Ende halt "Junimond": Natürlich ist es schwierig, die Kraft
des Originals in die Jetztzeit zu transferieren, oben
genannte Echt scheiterten daran ja bereits grandios. Scala
umgehen alle versteckten Fallen und reduzieren den Song aufs
Wesentliche. Keine Sperenzchen, keine übertriebenen
Stimmspielchen. Klare Stimmen, die wissen, was sie können,
damit das Lied aber nicht ersticken. Großes Finale einer
nicht immer leichten, aber spannenden Platte.
Text:
©
teleschau -
der mediendienst - Jochen Overbeck |