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31.03.2005 Musik an sich
(www.musikansich.de)
40 Engel
- Scala & Kolacny Brothers in Berlin
Die Columbiahalle hat schon viel gesehen,
bietet sie doch zahlreichen Menschen Platz und vielen Künstlern die
Möglichkeit, in keiner allzu großen Halle mit "konzertigem" Ambiente
für gute Stimmung zu sorgen – und obwohl es meist relativ laut dort
zugeht, verirrt sich auch schon mal ein Sasha dorthin.
Aber die Klänge, die am Mittwoch, den 9.2. durch die Hallen
schwebten, gehören wohl eher zu den Selteneren (auch wenn das
Konzert ein Zusatzkonzert zu dem schon am gleichen Ort gegebenen
Konzert einen Tag vor Silvester war).
Engelsgleich erklangen nämlich die Stimmen von Scala, einem
zwischen 40 und 60 personenstarken Mädchenchor aus Belgien. Die
jungen Mädchen, denen diese Stimmen gehören, sind alle zwischen ca.
13 und 17 Jahre alt und unterstehen der Leitung von Steven und
Stijn Kolacny.
Der Chor wurde 1996 gegründet und befasst sich seit 2002 damit,
Songs aus dem Rock und Popbereich entsprechend zu interpretieren.
Dabei werden die Stücke meist nur am Klavier begleitet.
Die von Scala performten Songs sind alles in allem eher
schwermütig bis melancholisch, wie bspw. "Creep" von
Radiohead, "With or without you" von U2 oder "Under The
Bridge" von den Red Hot Chili Peppers.
Hier bei uns wurden Scala im letzten halben Jahr bekannt,
weil sie mit "Engel" einen Rammsteinsong coverten und zuletzt
mit "Schrei nach Liebe" von Die Ärzte in den Charts vertreten
waren.
Soweit das Vorspiel, nun zum Hauptact.
Besonders eindrücklich beim Konzert war das Charisma von Stijn
Kolacny, der das Dirigieren übernahm, während sein Bruder Steven
am Klavier saß. Es bleibt der Eindruck, dass Stijn alle Songs fühlt
und nicht nur mitgeht sondern fast in ihnen aufgeht, was sich direkt
auch auf die Mädchen überträgt, die mit wirklich großartigem
Stimmvolumen begeistern können.
Scala wurden bei diesem Konzert nicht allein von Steve am
Klavier begleitet, sondern sie erhielten zusätzliche Unterstützung
durch ein Streichquartett, welches seine großartigen Fähigkeiten bei
der Interpretation von Queen ("Bohemian Rhapsody"), dem
einzigen Instrumentalstück bei diesem Chorkonzert nachhaltig unter
Beweis stellten und es gab auch eine Band, die ab und an den Chor
bei seinem Tun begleitete.
(Die Band hatte auch einen Sänger, der selbst ein Solostück zum
Konzert beitrug, jedoch kam er weder stimmlichen an die Mädchen
heran, noch passte der Song vom Stil her in das sehr stimmige übrige
Programm.)
Dass Scala aber nicht nur traurig-melancholische Musik machen
können, haben sie bspw. durch ihre Interpretation von "Clandestino"
von Manu Chao unter Beweis gestellt – zum Ende des Auftrittes wurden
die Stücke gesamt immer beschwingter, was schlussendlich im
"Wahlkampf" der Toten Hosen endete.
Von eben diesen brachten Scala auch ihr neu interpretiert und
gelerntes "Hier kommt Alex" zum Besten, was ebenfalls für
eine immer besser werdende Stimmung seitens des Publikums sorgte,
und dass "Schrei nach Liebe" von Die Ärzte in Berlin für
Begeisterung sorgte, ist ja nicht weiter verwunderlich.
So wurde die Stimmung mit Voranschreiten des Konzertes immer besser,
man hatte so ein wenig den Eindruck, das Publikum brauchte etwas
Zeit, um warm zu werden, was vielleicht daran lag, dass der Großteil
der Stücke doch eher melancholisch war, ganz sicher aber auch daran,
dass eine ganze Anzahl von Stühlen in der Mitte der Halle
aufgestellt waren (auch das sieht die Columbiahalle selten) – diese
hätte man gut weglassen können – man wäre näher und enger an der
Bühne gewesen und die schlussendlich gute Stimmung wäre
wahrscheinlich auch schon früher aufgekommen.
Am Ende feierte das Publikum jedoch Scala und die Mädchen des
Chores das Publikum, so dass einen fast das Gefühl beschlich, die
Äußerung, dass die Konzerte hier in Berlin bisher zu den Highlights
ihrer Touren gehörten, wirklich ernst gemeint sei.
Insgesamt sangen Scala gut neunzig Minuten (sie kamen zweimal
auf Bitten des Auditoriums zurück auf die Bühne), was aber, glaubt
man Kennern der Klassikszene, für einen Chor, der permanent
gefordert wird (also anders als bei Oratorien), eine beachtliche und
kaum zu überbietende Leistung, weil erhebliche Belastung für die
Stimme, darstellt.
Begeistert hat zudem die Freude, die den Mädchen in den Gesichtern
zu stehen schien – es drängte sich das Gefühl auf, von ihnen
permanent angestrahlt zu werden – und hier tun gesungene Passagen
wie "can’t get you out of my head" ihr Übriges, um den Abend
in bester Erinnerung zu halten.
Von der technischen Seite her war die Anlage sehr gut ausgesteuert,
da alle Stimmen unglaublich klar waren und auch was die üblichen
Spielerein mit Beleuchtung und Projektionen angeht, brauchen
Scala sich nicht zu verstecken.
Wer weiblicher Chormusik nicht abgeneigt ist und an interessant
arrangierter, aber ebenfalls sehr guter Rockmusik interessiert ist,
sollte Scala nicht verpassen. Glaubt man ihrer Website,
treten sie im Mai sowohl in Stuttgart als auch in Kiel auf.
Text von
Johannes Beykirch©
Quelle:
http://www.musikansich.de/ausgaben/0405/f_scala_and_kolacny.html

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