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23.12.2004 Die Welt
Rubrik: Hamburg
Klassischer Mädchenchor in der Großen
Freiheit
Ein klassischer belgischer Mädchenchor
singt eine Anti-Skinhead-Hymne der Berliner Deutschpunkband "Die
Ärzte". Das klingt per se nicht wirklich nach vielversprechender
Abendunterhaltung, ist aber eine der lustigeren Legenden des
Popjahres 2004: In den Pausen zwischen der seriösen Chorarbeit an
Brahms, Giovanni Pierluigi da Palestrina oder Vic Nees probten die
Brüder Steven und Stijn Kolacny mit ihrem 1996 gegründeten Chor
Scala Pop- und Rocksongs. Scalas Gastauftritte wurden zum Geheimtip
bei belgischen Rockbands. Bei einem Radiokonzert sangen sie
Rammsteins Düsterwerk "Engel" und - beflügelt von der Resonanz - den
"Schrei nach Liebe". Ein unerwarteter Hit in Deutschland.
70 000
verkaufte Tonträger später gastierten Scala am Dienstag in der
Großen Freiheit 36. Gar nicht so einfach, das Popstarleben mit 15 -
vormittags hatten einige der Sängerinnen noch Französischklausuren
geschrieben, gegen Mitternacht gings wieder heimwärts. Der große
Aufwand lohnt sich. Die Gebrüder Kolacny inszenieren ihr Konzert
geschickt, neben 30 Sängerinnen haben sie die junge belgische
Rockband Galope dabei, und das exzellente Brüsseler Streichquartett
Kryptos. Letzteres brät dem Publikum den Pomp-Pop-Klassiker "Bohemian
Rhapsody" der britischen Band Queen um die Ohren - arrangiert vom
Cellisten Anthony Gröger. Das allein hätte schon den Besuch des
Konzerts gerechtfertigt. Scala singen sich engelsgleich durch ein
Mädchenchor-untypisches Themenarsenal, das entbehrt nicht einer
gewissen Komik. Und wenn 30 belgische Mädchen den "Schrei nach
Liebe"-Refrain singen, ist das wirklich sehr, sehr niedlich. Denn
der besteht nur aus einem Wort: "Arschloch". (von Mark Behrendt )
Artikel erschienen am Don, 23. Dezember 2004
Quelle:
http://www.welt.de/data/2004/12/23/378726.html?search=scala&searchHILI=1
(Mit freundlicher Genehmigung von Mark Behrendt)

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