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CD-Review:
Scala & Kolacny Brothers - Dream on mit interview
Dass es in Zeiten, wo schnell verbrauchte
Popbands á la O-Zone die Charts beherrschen, ein klassisch geprägter
Mädchenchor an die Spitze der Charts schafft, darf man getrost als
kleine Sensation verbuchen. Zugegeben reden wir hier nicht von den
deutschen Charts, sondern von denen unserer belgischen Nachbarn.
Dennoch ändert das nicht viel an der Tatsache, dass dies wohl eher
die Ausnahme bleiben wird.
Auch wenn Scala in Deutschland wahrscheinlich
erst wenigen ein Begriff ist, ist der Chor durchaus kein
unbekannter. Mit ausgiebigen Touren durch Europa, aber auch durch
Kanada und Japan macht er sich seit 1996 in vielen Teilen der Welt
einen Namen. Daneben erhielt er viele internationale Preise.
Vor kurzem erschien nun die neue CD mit dem Namen
"Dream on". Darauf sind nicht, wie man vielleicht vermuten könnte,
neue Interpretationen klassischer Werke zu finden, sondern eher das
Gegenteil: Aktuelle Rock- und Popsongs werden hier in einem ganz
neuen musikalischen Gewand präsentiert. Zusammen mit "ihren" rund 60
Mädchen haben sich die beiden Chorleiter Steven und Stijn Kolacny
Songs von solch namhaften Bands wie U2, Nirvana, Radiohead und
Rammstein vorgeknüpft. Dass dies gelungen ist, beweist "Dream on"
eindrucksvoll. Nur von einem Klavier begleitet, wirken die Stimmen
immer kraftvoll und sind doch gleichzeitig mit einer Spur
Sentimentalität und Melancholie versehen.
Das nachfolgende Interview mit den beiden
Chorleitern Steven und Stijn Kolacny wurde per Email geführt, da
sich der Chor zu diesem Zeitpunkt auf Tournee durch die Niederlande
und Belgien befand.
Das Interview
SpiriTV:
Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Stijn:
Bei mir war das sehr einfach! Als Jüngster zu Hause imitierte ich
Steven und unsere Schwester Krista. Beide spielten Klavier, und das
wollte ich auch. Seit meinem sechsten Lebensjahr durfte ich am Ende
des Klavierunterrichts noch schnell meine "Stückchen" spielen.
SpiriTV:
Wann und wie ist die Idee entstanden mit einem ursprünglich
klassisch ausgerichteten Chor bekannte Pop- und Rocksongs zu
interpretieren?
Steven:
Die Idee; Partituren von Rocksongs für unseren Chor zu schreiben,
gab es schon einige Jahre. Solche Partituren existieren nämlich fast
überhaupt nicht. Aber es hat einige Jahre gedauert, bevor wir die
genaue Form fanden, den richtigen Klang und die Atmosphäre. Aber das
Warten hat sich gelohnt.
SpiriTV:
Nach welchen Kriterien wählt ihr die Stücke aus, die ihr in
Chorstücke umwandelt?
Steven:
Die Nummer muss sowohl von Text und Melodie ansprechend und direkt
sein, als auch auf das Klavier übertragbar sein. Es gibt keine
eigentliche Regel. Es ist oft eine Frage von langem Probieren und
Suchen.
SpiriTV:
Ist es schon mal vorgekommen, dass Ihr bestimmte Lieder covern
wolltet und dafür keine Rechte bekommen habt?
Steven:
Nein, das ist noch nicht passiert und kann technisch und juristisch
auch nicht passieren, weil es hier um ein Cover geht.
SpiriTV:
Wie lange dauert es von der Idee, diesen oder jenen Song zu covern,
bis zur tatsächlichen Umsetzung im Chor?
Steven:
Für einen Song muss man mit mindestens zwei Monaten rechnen. Erst
mache ich die Arrangements zu Hause auf dem PC. Ist dann die
Partitur fertig, probiere ich es auf dem Klavier aus. In der letzten
Phase beginnen dann die Scala-Proben. Nach zwei Monaten ist ein
Scala-Cover bühnenfertig. Wenn jedoch Probleme auftauchen, kann es
auch viel länger dauern.
SpiriTV:
Werden die Umsetzungen (Klavier und Arrangement) der Songs zusammen
mit den Mädchen erarbeitet oder macht Ihr die komplett alleine?
Stijn:
Fast immer zusammen mit den Mädchen, denn weder Steven noch ich
selber haben den Ehrgeiz solo zu singen. Um zweckmäßig zu proben,
müssen wir außerdem stets die Vocals hören können.
SpiriTV:
Ist es schwierig mit so vielen Leuten (Chor) im Studio zu
produzieren?
Stijn:
Es sind alles junge Mädchen, also ist es immer laut, aber du würdest
staunen wie viel Disziplin in Scala steckt. Sie sind schon Jahre
daran gewöhnt, Konzerte zu singen und Aufnahmen zu machen. Somit
verläuft alles, was Scala macht, sehr reibungslos. Übrigens, Steven
und ich hören das Geplapper von den Mädchen nicht mehr. Wir
bemerken, dass andere Leute sich manchmal wundern, wenn so ein
schnatterndes Rudel Mädchen vorbeikommt, aber das fällt uns schon
lange nicht mehr auf.
SpiriTV:
Habt ihr eine besondere Beziehung zur Musik von Depeche Mode, dass
ihr das Album nach einem ihrer Titel benennt und darauf gleich zwei
Stücke von DM zu finden sind?
Steven:
Ich bin großer Fan der Band, so einfach ist es. Die Depeche Mode
Songs sind auch äußerst geeignet für Scala, und der Titel "Dream on"
hat verschiedene Bedeutungen für uns.
SpiriTV:
Habt Ihr ein Lieblingslied auf der CD?
Stijn:
Mein Favorit ist ohne Zweifel "With or Without You" (ursprünglich
U2). An diesen Song habe ich sehr schöne Live-Erinnerungen. Scala
live zu erleben, ist etwas sehr besonderes. Wir haben "With or
Without You" oft am Ende unserer Konzerte gesungen, und ab und zu
passierte es, dass diese Nummer mir selbst Gänsehaut bereitete. Die
Stimmung bei "Engel" (ursprünglich Rammstein) ist auch sehr
besonders, finde ich.
SpiriTV:
Bekommt Ihr schon mal Feedback von den Künstlern, wie ihnen Eure
Interpretationen gefallen?
Steven:
Wir bekommen regelmäßig Feedback, und immer positives. Aber es ist
nicht unsere Absicht, bei den Originalkünstlern damit anzugeben.
SpiriTV:
Ihr seid mit der Band Indochine aufgetreten. Sind ähnliche
Kooperationen mit Bands, deren Songs ihr interpretiert, vorgesehen?
Steven:
Die Indochine Jungs sind echte Freunde geworden. Wir werden auf
jeden Fall noch zusammen arbeiten. Und es wäre phantastisch, das
auch mit anderen Bands zu tun. Es gibt schon mehrere Pläne.
SpiriTV:
Ich habe gehört, Eure Konzerte werden von jungen und alten Menschen
besucht. Gibt es da unterschiedliches Feedback?
Stijn:
Unser Publikum ist tatsächlich sehr gemischt. Auf den
Scala-Konzerten sitzen genauso Eltern mit Kindern, wie auch
Mittdreißiger, Teenies und Omas. Sehr verschieden reagieren die
unterschiedlichen Gruppen aber nicht. Was mir auffällt ist, dass
unser Publikum extrem aufmerksam der Musik zuhört (das ist nötig
weil Scala nie laut ist), aber sobald ein Lied zu Ende ist, sehr
begeistert loslegen kann.
SpiriTV:
Mit "She hates me" von Puddle of Mudd seid Ihr sogar Nummer eins der
belgischen Charts gewesen. Als Chor sicherlich eine sehr
ungewöhnliche Erfahrung. Wie war das, als Ihr davon erfahren habt?
Steven:
Kaum zu glauben, natürlich. Ein Chor an Nummer eins. Eigentlich war
"Puddle of Mudd" eine der dümmsten Nummern, die wir gemacht haben.
Ich würde es jetzt nie mehr wiederholen. Ich bin selber sehr stolz,
dass Scala in Deutschland die Charts mit "Engel" von Rammstein
entert. Diese Nummer finde ich tausendmal besser, und das
Arrangement klingt viel mehr nach "Scala". Aber es gibt einen
unbeschreiblichen, unvorstellbaren Kick, wenn so viele Menschen die
CD kaufen und vor allem zu unseren Konzerten kommen.
SpiriTV:
Wann kann man Euch in Deutschland mal live erleben?
Stijn:
Scala wird dieses Jahr noch drei Konzerte in Deutschland geben. Hier
die Termine:
-
21.12.04 Hamburg - Große Freiheit
-
27.12. Köln - Live Music Hall
-
30.12. Berlin - Columbia Halle
SpiriTV:
Danke für das Interview.
von Markus Klausen
Quelle:
http://www.spiritv.de/03kultur/musik-scala/index.htm

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