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Scala & Kolacny Brothers: Presse

 

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19.12.2004 spiritv.de

CD-Review: Scala & Kolacny Brothers - Dream on mit interview

Dass es in Zeiten, wo schnell verbrauchte Popbands á la O-Zone die Charts beherrschen, ein klassisch geprägter Mädchenchor an die Spitze der Charts schafft, darf man getrost als kleine Sensation verbuchen. Zugegeben reden wir hier nicht von den deutschen Charts, sondern von denen unserer belgischen Nachbarn. Dennoch ändert das nicht viel an der Tatsache, dass dies wohl eher die Ausnahme bleiben wird.

Auch wenn Scala in Deutschland wahrscheinlich erst wenigen ein Begriff ist, ist der Chor durchaus kein unbekannter. Mit ausgiebigen Touren durch Europa, aber auch durch Kanada und Japan macht er sich seit 1996 in vielen Teilen der Welt einen Namen. Daneben erhielt er viele internationale Preise.

Vor kurzem erschien nun die neue CD mit dem Namen "Dream on". Darauf sind nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, neue Interpretationen klassischer Werke zu finden, sondern eher das Gegenteil: Aktuelle Rock- und Popsongs werden hier in einem ganz neuen musikalischen Gewand präsentiert. Zusammen mit "ihren" rund 60 Mädchen haben sich die beiden Chorleiter Steven und Stijn Kolacny Songs von solch namhaften Bands wie U2, Nirvana, Radiohead und Rammstein vorgeknüpft. Dass dies gelungen ist, beweist "Dream on" eindrucksvoll. Nur von einem Klavier begleitet, wirken die Stimmen immer kraftvoll und sind doch gleichzeitig mit einer Spur Sentimentalität und Melancholie versehen.

Das nachfolgende Interview mit den beiden Chorleitern Steven und Stijn Kolacny wurde per Email geführt, da sich der Chor zu diesem Zeitpunkt auf Tournee durch die Niederlande und Belgien befand.

Das Interview

SpiriTV:
Wie seid ihr zur Musik gekommen?
Stijn:
Bei mir war das sehr einfach! Als Jüngster zu Hause imitierte ich Steven und unsere Schwester Krista. Beide spielten Klavier, und das wollte ich auch. Seit meinem sechsten Lebensjahr durfte ich am Ende des Klavierunterrichts noch schnell meine "Stückchen" spielen.

SpiriTV:
Wann und wie ist die Idee entstanden mit einem ursprünglich klassisch ausgerichteten Chor bekannte Pop- und Rocksongs zu interpretieren?
Steven:
Die Idee; Partituren von Rocksongs für unseren Chor zu schreiben, gab es schon einige Jahre. Solche Partituren existieren nämlich fast überhaupt nicht. Aber es hat einige Jahre gedauert, bevor wir die genaue Form fanden, den richtigen Klang und die Atmosphäre. Aber das Warten hat sich gelohnt.

SpiriTV:
Nach welchen Kriterien wählt ihr die Stücke aus, die ihr in Chorstücke umwandelt?
Steven:
Die Nummer muss sowohl von Text und Melodie ansprechend und direkt sein, als auch auf das Klavier übertragbar sein. Es gibt keine eigentliche Regel. Es ist oft eine Frage von langem Probieren und Suchen.

SpiriTV:
Ist es schon mal vorgekommen, dass Ihr bestimmte Lieder covern wolltet und dafür keine Rechte bekommen habt?
Steven:
Nein, das ist noch nicht passiert und kann technisch und juristisch auch nicht passieren, weil es hier um ein Cover geht.

SpiriTV:
Wie lange dauert es von der Idee, diesen oder jenen Song zu covern, bis zur tatsächlichen Umsetzung im Chor?
Steven:
Für einen Song muss man mit mindestens zwei Monaten rechnen. Erst mache ich die Arrangements zu Hause auf dem PC. Ist dann die Partitur fertig, probiere ich es auf dem Klavier aus. In der letzten Phase beginnen dann die Scala-Proben. Nach zwei Monaten ist ein Scala-Cover bühnenfertig. Wenn jedoch Probleme auftauchen, kann es auch viel länger dauern.

SpiriTV:
Werden die Umsetzungen (Klavier und Arrangement) der Songs zusammen mit den Mädchen erarbeitet oder macht Ihr die komplett alleine?
Stijn:
Fast immer zusammen mit den Mädchen, denn weder Steven noch ich selber haben den Ehrgeiz solo zu singen. Um zweckmäßig zu proben, müssen wir außerdem stets die Vocals hören können.

SpiriTV:
Ist es schwierig mit so vielen Leuten (Chor) im Studio zu produzieren?
Stijn:
Es sind alles junge Mädchen, also ist es immer laut, aber du würdest staunen wie viel Disziplin in Scala steckt. Sie sind schon Jahre daran gewöhnt, Konzerte zu singen und Aufnahmen zu machen. Somit verläuft alles, was Scala macht, sehr reibungslos. Übrigens, Steven und ich hören das Geplapper von den Mädchen nicht mehr. Wir bemerken, dass andere Leute sich manchmal wundern, wenn so ein schnatterndes Rudel Mädchen vorbeikommt, aber das fällt uns schon lange nicht mehr auf.

SpiriTV:
Habt ihr eine besondere Beziehung zur Musik von Depeche Mode, dass ihr das Album nach einem ihrer Titel benennt und darauf gleich zwei Stücke von DM zu finden sind?
Steven:
Ich bin großer Fan der Band, so einfach ist es. Die Depeche Mode Songs sind auch äußerst geeignet für Scala, und der Titel "Dream on" hat verschiedene Bedeutungen für uns.

SpiriTV:
Habt Ihr ein Lieblingslied auf der CD?
Stijn:
Mein Favorit ist ohne Zweifel "With or Without You" (ursprünglich U2). An diesen Song habe ich sehr schöne Live-Erinnerungen. Scala live zu erleben, ist etwas sehr besonderes. Wir haben "With or Without You" oft am Ende unserer Konzerte gesungen, und ab und zu passierte es, dass diese Nummer mir selbst Gänsehaut bereitete. Die Stimmung bei "Engel" (ursprünglich Rammstein) ist auch sehr besonders, finde ich.

SpiriTV:
Bekommt Ihr schon mal Feedback von den Künstlern, wie ihnen Eure Interpretationen gefallen?
Steven:
Wir bekommen regelmäßig Feedback, und immer positives. Aber es ist nicht unsere Absicht, bei den Originalkünstlern damit anzugeben.

SpiriTV:
Ihr seid mit der Band Indochine aufgetreten. Sind ähnliche Kooperationen mit Bands, deren Songs ihr interpretiert, vorgesehen?
Steven:
Die Indochine Jungs sind echte Freunde geworden. Wir werden auf jeden Fall noch zusammen arbeiten. Und es wäre phantastisch, das auch mit anderen Bands zu tun. Es gibt schon mehrere Pläne.

SpiriTV:
Ich habe gehört, Eure Konzerte werden von jungen und alten Menschen besucht. Gibt es da unterschiedliches Feedback?
Stijn:
Unser Publikum ist tatsächlich sehr gemischt. Auf den Scala-Konzerten sitzen genauso Eltern mit Kindern, wie auch Mittdreißiger, Teenies und Omas. Sehr verschieden reagieren die unterschiedlichen Gruppen aber nicht. Was mir auffällt ist, dass unser Publikum extrem aufmerksam der Musik zuhört (das ist nötig weil Scala nie laut ist), aber sobald ein Lied zu Ende ist, sehr begeistert loslegen kann.

SpiriTV:
Mit "She hates me" von Puddle of Mudd seid Ihr sogar Nummer eins der belgischen Charts gewesen. Als Chor sicherlich eine sehr ungewöhnliche Erfahrung. Wie war das, als Ihr davon erfahren habt?
Steven:
Kaum zu glauben, natürlich. Ein Chor an Nummer eins. Eigentlich war "Puddle of Mudd" eine der dümmsten Nummern, die wir gemacht haben. Ich würde es jetzt nie mehr wiederholen. Ich bin selber sehr stolz, dass Scala in Deutschland die Charts mit "Engel" von Rammstein entert. Diese Nummer finde ich tausendmal besser, und das Arrangement klingt viel mehr nach "Scala". Aber es gibt einen unbeschreiblichen, unvorstellbaren Kick, wenn so viele Menschen die CD kaufen und vor allem zu unseren Konzerten kommen.

SpiriTV:
Wann kann man Euch in Deutschland mal live erleben?
Stijn:
Scala wird dieses Jahr noch drei Konzerte in Deutschland geben. Hier die Termine:

  • 21.12.04 Hamburg - Große Freiheit

  • 27.12. Köln - Live Music Hall

  • 30.12. Berlin - Columbia Halle

SpiriTV:
Danke für das Interview.

von Markus Klausen

Quelle: http://www.spiritv.de/03kultur/musik-scala/index.htm

 

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