30.12.2005 Neue Westfälische

30.12.2005 Neue Westfälische

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Hits der Popmusik mit Engelsstimmen geadelt
von Thomas Bertz

Belgischer Mädchenchor Scala begeistert im Ringlokschuppen

Bielefeld (WB). War das ein Erlebnis: Hits aus der Pop- und Rockgeschichte, geträllert aus 22 Mädchenkehlen. Was zunächst wenig spannend klingt, machte der belgische Mädchenchor Scala mit den Brüdern Kolacny im Ringlokschuppen zu einem Konzert, das die Zuschauer nicht auf den Sitzen hielt.

Seit 2002 experimentiert der Mädchenchor, der bei internationalen Wettbewerben mehrfach ausgezeichnet wurde, mit Klassikern der Pop- und Rockgeschichte. Nur vom Klavier begleitet konzentrieren sich die belgischen Sängerinnen auf die Melodie der Stücke. Schlagzeuge, Gitarre, Bas: nicht mehr vorhanden. Reduziert auf das Wesentliche erklingen die Lieder in ganz neuem Gewand, werden geadelt. Und aufgewertet durch die Engelsstimmen. Schade nur, dass die Chorgründer und –leiter Steven und stijn Kolacny mit ihren Arrangement sehr dicht am Original bleiben und selbst wenig interpretieren. Die Chance wäre vorhanden und wüprde noch mehr Abwechslung bieten. Aber auch so funktioniert das Konzept blendend. Und bei richtigen Rocknummern wie „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana bekommt das Stück allein durch den Gesang einen ganz anderen Charakter.

Insgesamt blieben die Lieder etwas monoton, stets nach ähnlichem Strickmuster. Wenn die Kolacnys und ihre Sängerinnen das vorhandene Potenzial, das bei Kylie Minogues „Can’t get you out of my head“ aufblitzte, weil die glasklaren Stimmen einmal nicht nur parallel, sondern versetzt sangen, noch mehr nutzen würden, wären die Konzerte noch abwechslungsreicher.
Der Abend lebte aber nicht nur von den wunderbaren Stimmen der 22 ganz in schwarz gekleideten Sängerinnen. Es waren auch die charmanten Zwischenmoderationen der beiden Chorleiter. Überhaupt: Der Dirigent von stijn Kolacny war eine Augenweide. Mit ganz eigenem Stil – und nahezu jeder Körperfaser – lebte der Dirigent seinen Sängerinnen die Noten vor. Ihm zuzusehen war allein eine Freude. Noch schöner indes war es den Stimmen zu lauschen.

Vor allem die Lieder der neuen, ausschließlich mit deutschen Werken aufgenommene CD „Grenzenlos“ kamen gut an. Sportfreunde Stiller, Mia, Selig, und Wir sind Helden, Rio Reiser – auch als Chorgesang ein Hörvergnügen.
In den Zugaben steckte außerdem viel Freude. Nur ungern ließen die begeisterten Bielefelder Zuschauer die Mädchen und ihre sympathischen Chorleiter nach 90 Minuten musikalischer Oberklasse von der Bühne.

Text: Thomas Bertz • Westfalen-Blatt Nr.303 vom 30. Dezember 2005